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Der Punkt ist einfach, dass das Pferd beim Longieren die ganze Zeit auf dem Zirkel läuft. Ich reite zumindest nie eine halbe Stunde lang nur auf dem Zirkel.
Außerdem wechselt man (von der Doppellonge mal abgesehen) die Hand einfach seltener. Beim Reiten wechsele ich teilweise mehrmals pro Minute. Und selbst wenn man beim Longieren auf häufige Handwechsel achtet, wird man solche Werte beim Longieren niemals erreichen, weil es einfach nicht praktikabel ist.
Deshalb bin ich mit allen anatomischen Kenntnissen, die ich mir über die Jahre als Reiter und jetzt im Studium angeeignet habe völlig überzeugt davon, dass Longieren die Beine mehr belastet als normales Reiten.
Longiert ihr eure Pferde oft?
Das hängt sehr stark vom Pferd ab. Helli habe ich sehr selten longiert, eigentlich nie an der normalen Longe sondern wenn, dann an der Doppellonge. Sie hatte immer wieder Probleme mit den Beinen, deshalb wollte ich die Belastung gering halten.
Bei ihr war es mehr periodisch, also z.B. mal über drei Wochen einmal in der Woche und dann wieder wochen- oder monatelang gar nicht.
Und sie hatte ja auch nicht mehr viel zu lernen. Die Doppellongenarbeit diente vor allem dazu um sie mal ohne Reiter zu sehen und gegebenenfalls an der Losgelassenheit oder auch Versammlungsbereitschaft zu arbeiten.
Ganz anders ist es natürlich bei jungen Pferden. Die Stute, die ich im Sommer geritten habe (3jährig) wurde vor jedem Reiten mehr oder weniger kurz ablongiert. Außerdem ging sie bei mir oder der Besitzerin mindestens 3 Tage in der Woche an der Longe.
Junge Pferde müssen ja erstmal die Kommandos erlernen, Muskeln aufbauen, sich ausbalancieren, den Sattel kennenlernen und vor dem Reiten auch Dampf ablassen. Deshalb sehe ich das regelmäßige Longieren hier als absolut unerlässlich an.
Oder seit ihr eher Longier"gegner" und haltet nichts/kaum was davon?
Es kommt drauf an, was man will. Viele reiterliche Probleme kann man an der Longe nicht lösen, da kann man sich auf den Kopf stellen. Wenn es z.B. Probleme sind, die sich aus dem Sitz oder der Einwirkung des Reiters ergeben (und das sind die aller-, allermeisten).
Bei jungen oder schlecht bemuskelten Pferden finde ich longieren sehr sinnvoll. Hier würde die Rückenmuskulatur viel zu stark belastet werden, wenn man sich gleich draufsetzen würde und würde dann eher verkrampfen als sich zu entwickeln. Da ist es besser erstmal ohne Reitergewicht eine Basis zu schaffen.
Ich halte es allerdings für sinnlos weit ausgebildete Pferde (ab L-/M-Niveau) grundsätzlich ein- oder zweimal in der Woche zu longieren. Sie bringt es oft nicht wirklich weiter und ist dann eher ein "Faulheitslösung", weil der Reiter keine Zeit oder keine Lust hat.
Natürlich bringt es Abwechslung, aber da halte ich es für besser dann mehr ins Gelände zu gehen, Cavalettiarbeit oder Springgymnastik zu nutzen.
Was sind die Vorteile oder Nachteile vom Longieren?
Vorteile:
- der Rücken trägt kein Gewicht und kann sich deshalb bei schlecht bemuskelten Pferden besser lösen und Muskeln aufbauen
- das Pferd kann sich leichter ausbalancieren (gilt vor allem für junge Pferde)
- das Pferd lernt den Menschen als Respektsperson zu akzeptieren und lernt die verschiedenen Kommandos kennen
- mit der Doppellonge kann man ohne Reitergewicht an Schwungentwicklung, Geraderichtung und Versammlung arbeiten, was für das lernende Pferd manchmal leichter ist
- man kann sein Pferd im Ganzen bei der Arbeit beobachten und beurteilen
Nachteile:
- die Beine werden stärker belastet als beim Reiten
- die Hilfengebung des Reiters ist sehr eingeschränkt, da man an der normalen Longe eigentlich nur den inneren Zügel und das innere Bein hat, die man aktiv ersetzen kann, Ausbinder können da nur bedingt entgegenwirken
- an der normalen Longe ist es nahezu unmöglich mehr als lösende Arbeit zu machen
Was seht ihr als zuviel oder zuwenig an?
Ein junges Pferd sollte zu Beginn der Ausbildung an bis zu 5 Tagen in der Woche longiert werden, wenn das Reiten dann dazu kommt noch mindestens 3 Tage (plus 2 Tage reiten).
Für ein ausgebildetes Pferd würde ich maximal einen Tag Longe pro Woche als sinnvoll erachten, es sei denn es besteht Korrekturbedarf (s.o.).
Der Übergang ist natürlich fließend.
Was ist sinnig oder unsinnig?
Sinnig ist es, wenn man ein Problem hat, was unter dem Reiter nicht zu bearbeiten hat (s.o.) oder für das lernende Pferd.
Unsinnig ist es meiner Ansicht nach, ein ausgebildetes Pferd ständig zu longieren anstatt zu reiten. Man will schließlich ein Reit- und kein Longierpferd.
Doppellongenarbeit halte ich grundsätzlich für sinnvoller als normale Longenarbeit, aber natürlich dauert das eine Zeit, bis man das Pferd "umstellen" kann.
Sinnlos ist jede Art von longieren, wenn man nicht weiß, was man da tut. Longieren muss man lernen wie reiten auch.
LG Lelie