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Tja, dann fang ich doch einfach mal an.
Ich hab vor acht Jahren mit meinem Pony (deutsches Reitpony, damals 7jährig) an einem Distanzritt über 38 Kilometer teilgenommen. Zwei Jahre später sind wir dann bei einem Mannschaftsdreikampf (Läufer, Reiter, Radfahrer - absolut coole Geschichte!) über 26 Kilometer gestartet, der für uns im Prinzip auch ein Distanzritt war.
Eigentlich waren wir auf ganz gewöhnlichen Spring- und Dressurturnieren in E und A unterwegs, aber irgendwie hat es mich gereizt auch sowas mal auszuprobieren. Mit ihr konnte man alles machen und nachdem Halsringreiten schon nichts besonderes mehr war, brauchten wir einfach ein neues "Abenteuer". Stundenlange Ausritte gehörten im Sommer sowieso zu einer unserer Hauptbeschäftigungen und deshalb hab ich mich dann einfach mal informiert, wie das mit Distanzritten so ist.
Ausgeschrieben werden Distanzritte vom VDD (Verein deutscher Distanzreiter). Bei uns lief das damals z.B. über das Landesbreitensportturnier. Man kann sich aber auch beim VDD direkt schlau machen, die geben dann sicher gerne Termine und Ansprechpartner raus.
Grundsätzlich ist für kurze Ritte (also bis 50 Kilometer) jedes Pferd geeignet, dafür muss es kein Araber oder sonst ein Vollblüter sein.
Spezielle Ausrüstung ist dafür auch nicht nötig. Allerdings sollten die Pferde schon beschlagen sein (wenigstens vorne), da die meisten Distanzritte zwangsläufig über große Strecken über Schotterwege oder Straßen führen.
Natürlich muss man sich aber gezielt und gründlich auf so einen Ritt vorbereiten. Die Streckenlänge, die im Wettkampf gefordert wird, sollte man vorher wenigstens schon einmal gut hinter sich gebracht haben.
Auf dem Weg dahin ist es natürlich wichtig, dass man langsam die Rittdauer und -strecke steigert und an der Kondition von Reiter UND Pferd arbeitet. Es kann bei Distanzritten nämlich durchaus sein, dass es längere Strecken gibt, auf denen man sein Pferd führen sollte und da muss man dann schon flott zu Fuß sein. Außerdem ist auch auf dem Pferd ein trainierter, fitter Reiter für das Pferd wesentlich weniger belastend als ein untrainierter nasser Sack.
Ich habe erstmal unsere normalen Ausreitstrecken vermessen, damit ich einen Überblick bekomme, wie lange wir überhaupt für eine bestimmte Strecke brauchen und wie viel Kilometer wir zurücklegen.
Dabei kam raus, dass unsere normale Tour etwa 13 Kilometer lang ist und sich problemlos um 7, 14 oder 21 Kilometer verlängern lässt, wenn man die Runde durch den Wald einfach mehrfach reitet. Außerdem konnten wir diese Tour auch noch mit einer anderen kombinieren, sodass nochmal mehr Kilometer dabei rauskamen.
Als nächstes ist es wichtig, festzustellen, wie schnell man eigentlich unterwegs ist. Im Schritt braucht man ungefähr (ist natürlich individuell verschieden) 10 Minuten auf einen Kilometer, im Trab 4 Minuten und im Galopp je nach Tempo verschieden lange. Für den Galopp ist für einen Distanzritt ein Tempo von etwas unter 3 Minuten realistisch. Natürlich können Pferde schneller galoppieren, aber über eine lange Distanz halten sie die Endgeschwindigkeit natürlich nicht durch.
Wenn man das alles hat, kann man erstmal seine Ausgangslage einschätzen. Dann gilt es sich Ziele zu setzen und dementsprechend zu planen. Bei einem normal trainierten Reitpferd, was Ausritte mit viel Trab und Galopp von bis zu zwei Stunden gewöhnt ist, sollte man mindestens 6 bis 8 Wochen für das Training einplanen.
Wichtigstes Ziel ist die Kondition zu trainieren. Denn neben der Zeit ist die schnelle Erholung des Herz-Kreislauf-Systems bei Distanzritten das entscheidende Kriterium. In der Regel wird an den Messpunkten ein Puls von maximal 64 Schlägen pro Minuten nach spätestens 20 Minuten verlangt. Das kann aber von Ritt zu Ritt verschieden sein, wie die Messpunkte organisiert sind, da das Reglement dort verschiedene Möglichkeiten bietet. Im Ziel gilt dieser Wert immer.
Um den Puls zu überprüfen, gibt es spezielle Pulsmessgeräte für Pferde, die sehr praktisch sind, weil man den Puls auch beim Reiten im Auge behalten kann. Allerdings kosten sie natürlich auch gutes Geld.
Wenn man sich diesen Luxus nicht leisten will, sollte man unbedingt üben den Puls zu fühlen und zwischendurch im Training immer mal wieder absteigen und kontrollieren, damit man ein Gefühl dafür entwickelt, wann das Pferd die Grenzwerte erreicht.
Um die Kondition zu trainieren, ist es besonders sinnvoll, viel im Schritt und Galopp zu reiten. Diese beiden Gangarten sind am anstrengendsten und haben deshalb den höchsten Trainingseffekt. Zu Beginn kann Intervalltraining sehr gut sein, später sollte man aber auch wirklich lange Strecken am Stück galoppieren (20 Minuten und mehr).
Wenn man es irgendwie schaffen kann, ist es natürlich gut, die Pferde zu dieser Zeit zweimal täglich zu arbeiten, z.B. morgens Gelände, nachmittags Dressurarbeit. Oder morgens Galoppbahn, nachmittags ruhiger Ausritt.
Außerdem sollte man die Pferde möglichst viel auf die Weide stellen, da das kontinuierliche Schritt gehen beim Grasen ebenfalls die Kondition stärkt.
Oftmals lässt sich das schwer damit vereinbaren, dass die Pferde zum Ritt hin natürlich möglichst schlank sein sollen, damit sie nicht zu viel unnötiges Gewicht mit sich herumschleppen. Rabiate Futterumstellungen sollte man natürlich vermeiden. Trotzdem ist es hilfreich die letzte Zeit (ca. 2 Wochen) vor dem Wettkampf energiereich zu füttern. Bei uns bestand die Fütterung dann aus Hafer, Sportmüsli, Öl und Mineralfutter.
Zwei bis drei Wochen vor dem Ritt sollte das Pferd frisch beschlagen werden, damit die Eisen zwar noch neu, aber schon "eingetragen" sind.
Die letzten drei oder vier Tage vor dem Wettkampf sollte das Pferd nur noch leicht gearbeitet werden. Es soll sich locker und ausreichend bewegen, aber nicht mehr wirklich hart trainiert werden. Was jetzt nicht geschafft ist, schafft man in ein paar Tagen auch nicht mehr. Kräfte sammeln steht im Vordergrund.
Am Tag des Rittes sollte man jeglichen Stress vermeiden. Kraftfutter wird spätestens zwei Stunden vor dem Ritt zuletzt gefüttert. Rauhfutter dürfen die Pferde bis kurz vorm Start knabbern. Wichtig ist auch, dass die Pferde vorher und danach immer Wasser zur Verfügung haben.
Ein bis zwei Stunden vor dem Start steht die Voruntersuchung auf dem Plan. Dort werden Puls und Atmung kontrolliert (hier sind die geforderten Werte natürlich niedriger als unterwegs), außerdem muss man vortraben und das Pferd wir allgemein auf gesundheitliche Defizite überprüft.
Vor dem Start sollte man sein Pferd im Schritt aufwärmen (ca. 20 Minuten). Mehr ist überflüssig. Vom Start weg reitet man dann erstmal ein ruhiges Tempo und passt sich den Wegverhältnissen an. Es ist wichtig, dass man sich nicht von übereifrigen Reitern mitziehen lässt und damit am Anfang zu viel Energie verpulvert.
Man sollte im Wettkampf überwiegend traben, da das am wenigsten Kraft kostet. Dabei sollte man leichttraben oder, noch besser, so oft wie möglich in den Entlastungssitz gehen. Als Reiter hat man nur die Aufgabe, dem Pferd das Laufen so einfach und angenehm wie möglich zu machen. Dazu gehört auch, dass man eine leichte Verbindung zum Maul hält, damit das Pferd den Rücken hergibt und sich entspannt. Kämpfe ums "durchs Genick gehen" oder eine dressurmäßige Haltung sind völlig fehl am Platz.
Man muss einfach in sein Pferd hineinhören, um zu wissen, wann es eine Pause braucht. Optimalerweise teilt man das Tempo so ein, dass man möglichst die ganze Zeit in dem selben Tempo reiten kann. Jeder Übergang unterbricht den Rythmus und kostet Kraft.
Zwischendurch wird es mehrere Stopps und Pulskontrollen, oft auch Zwangspausen geben. An diesen Stopps sollte man unbedingt versuchen das Pferd zu tränken (ein oder mehrere TTs, die einen dort mit dem Auto erwarten sind nahezu unverzichtbar). Futter gibt es keins oder wenigstens kein Kraftfutter, das steigert die Pulsfrequenz und die will man ja so schnell wie möglich runterbekommen.
Dazu hilft es auch das Pferd mit nicht zu kaltem Wasser abzuschwammen (Hals und Beine) und ruhig zu führen. Ruhe und Stressfreiheit sind besonders entscheidend.
Im Ziel wird der Puls genommen, nach 20 Minuten muss er runter sein. Danach darf das Pferd dann entspannen und bekommt Rauhfutter und natürlich Wasser. Später dann auch Kraftfutter.
Nach frühestens zwei Stunden (je nach Ritt verschieden) muss man das Pferd zur Nachuntersuchung vorstellen. Die läuft ab wie die Voruntersuchung.
Ganz wichtig bei Distanzritten: Als Pflegemittel ist die ganze Zeit nur Wasser erlaubt! Kühlgels und so (auch "dopingfreie") sind ebenso verboten wie Blauspray, Wundsalbe und so. Braucht man sowas doch (mein Pony hatte z.B. eine leichte Scheuerstelle von der Tasche der Schabracke), muss man zum verantwortlichen Tierarzt gehen und sich das genehmigen lassen.
Die Tage nach dem Ritt sollte man das Pferd nur leicht arbeiten, damit eventueller Muskelkater nicht zu schlimm wird. Das Pferd darf sich dann erstmal erholen und in Ruhe regenerieren.
Tja, ich denke, dass wars erstmal. Wenn ihr noch Fragen habt, immer her damit.
Ich hatte bei meinen Distanzritten jedenfalls sehr viel Spaß und es hat mich und mein Pony toll zusammengeschweißt.
LG Lelie
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